Kurzkonzept | BIG - Bjarke Ingels Group
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Der Zukunftsforscher und produktive Erfinder Ray Kurzweil beschreibt die Evolution der Technologie als eine exponentielle Kurve, die dem „Gesetz des sich beschleunigenden Nutzens“ folgt. Es kommt ständig zu technologischen Durchbrüchen und diese treten in exponentiell immer kürzeren Abständen auf. Die Geschwindigkeit des Mikroprozessors verdoppelt sich alle 18 Monate. Wir nähern uns also einer wirklichen Revolution in der Informationstechnologie: der „technologischen Singularität“. Was wäre, wenn wir Kurzweils exponentielles Modell anwenden würden, um die Evolution des Autos vorherzusagen? Von der Erfindung des Rades vor 11.500 Jahren bis heute vollzieht sich derselbe exponentielle Fortschritt! Könnte es sein, dass die nächste Revolution im urbanen Raum nicht von fliegenden Autos, von Fortschritten hinsichtlich der Geschwindigkeit oder der Motorkraft ausgelöst werden wird, sondern von der vollständigen Fusion von Informationstechnologie und Individualverkehr? Das fahrerlose Auto – die erste wirkliche „Automobilität“ – könnte die nächste Revolution im urbanen Raum sein. Wir stellen uns vor, dass die Innenstädte, die gegenwärtig mittels Besteuerung oder Straßenbenutzungsgebühren Autos verbannen, um das hohe Verkehrsaufkommen zu verringern, nicht autofrei, sondern einfach „fahrerlos“ automobil sein werden. Fahrerlose Autos werden die individuelle Mobilität außerhalb der Stadtgrenzen mit der kollektiven Mobilität innerhalb dieser kombinieren. Wenn selbstfahrende Autos sich in koordinierter Harmonie mit all den anderen Pendlerfahrzeugen bewegen, nehmen sie nur ein Viertel des Raumes ein, den von Menschen gelenkte Autos beanspruchen. Wenn die neue Generation von Autos darüber hinaus geräuschlos wäre und keine Umweltverschmutzung verursachen würde, wird dies das Ende jener Trennung bedeuten, die gegenwärtig aus Gründen des Komforts, der Gesundheit oder der Sicherheit Autos von Fußgängern und Radfahrern trennt. Das Ergebnis ist ein elastischer urbaner Raum, der sich nach Bedarf ausdehnen oder zusammenziehen kann, um sich in Zeiten des Spitzenverkehrsaufkommens entsprechend anzupassen, oder der es ermöglicht, dass ein Park oder ein städtischer Platz temporär in die Autofahrspuren eindringen kann, um den Ansprüchen und Wünschen der Bewohner zu |
entsprechen. Man stelle sich eine zukünftige Stadt in 25 Jahren vor, in der die vertikalen Fassaden unverändert in Erscheinung treten, das städtische Pflaster aber in eine programmierbare Oberfläche verwandelt worden ist, die sämtliche, bislang unveränderbar festgelegten Elemente wie Fahrstraße, Gehweg oder Stadtplatz ersetzt – eine digitale Straßenoberfläche, die eine vertraute Stadt vollständig neu belebt. Intelligente Straßen Das Konzept des „fahrerlosen Autos“ bewegt sich schrittweise vom Status des nur Plausiblen hin zum Wahrscheinlichen. Autos können seit mehr als drei Jahrzehnten autonom fahren. Es gibt auf dem Massenmarkt selbstparkende Autos, aktive Geschwindigkeitsregelungen und sogar Systeme, die Zusammenstöße verhindern, also die Kontrolle über das Fahrzeug übernehmen, um Gefahren auszuweichen. Die Vorhersagen von mehreren großen Automobilherstellern gehen davon aus, dass das fahrerlose Auto bis spätestens 2015 auf dem Markt vorgestellt werden wird. Gegenwärtig ist die eigentliche Barriere für das autonome Fahren eher infrastruktureller als technologischer Natur. Es wird also eine intelligentere Infrastruktur notwendig sein, um intelligentere Fahrzeuge zu ermöglichen. Die moderne Fernstraße hat die starke Ausbreitung des Autos in seiner gegenwärtigen Gestalt ermöglicht. Dabei werden die Straßen alle 15 Jahre mit einer gänzlich neuen Oberfläche versehen – nahezu doppelt so oft wie bei Gebäuden. Weshalb sollte man dies nicht als eine Chance nutzen, um die urbane Infrastruktur der Straßen zu verbessern, statt sie nur auf demselben Niveau zu halten? Durch das Hinzufügen einer dünnen Schicht von programmierbaren Sensoren innerhalb des Straßenbelags stellen wir uns eine Zukunft vor, in der die fahrerlose Technologie zwischen dem Fahrzeug und der Struktur der Straße aufgeteilt wird. Dieser „intelligente Oberflächenbelag“ ist der nächste Schritt zur Verbesserung der Infrastruktur, der erforderlich ist, um die Ströme der fahrerlosen Autos, der Fahrräder und Fußgänger auf eine ganz und gar flüssige und flexible Weise miteinander zu koordinieren. Dieses Sensoren-Netzwerk koordiniert die Verkehrsflüsse durch Kommunikation mit dem Strom der fahrerlosen Autos. Dieser riesige Oberflächenbereich hat |
gleichzeitig das Potenzial, Sonnenenergie sowie die durch die menschliche Fortbewegung erzeugte piezoelektrische Energie zu sammeln. Diese gesammelte Energie könnte dann drahtlos (durch elektromagnetische Induktion) an Elektroautos und individuelle mobile Apparate übertragen werden, wodurch die elektrische Energie zum ersten Mal wirklich mobil würde Plasti-City – die Plastizität der Stadt Zeichensysteme sind notwendig, um verständlich zu machen, wie die urbane Umwelt zu benutzen ist. Es gibt in jeder Stadt viele Beispiele hierfür: Fußgängerüberwege, Stoppschilder, Verkehrsampeln. Die Zukunft wird diesen grafischen Systemen Leben einhauchen. Lichtpunkte in der Straßenoberfläche werden die nächste Generation von „Verkehrsampeln“ bilden. Diese digitale Schicht wird mehrere Sekunden im Voraus durch Lichtpunkte die aktuellen Bewegungen von fahrerlosen Fahrzeugen anzeigen, so dass Fußgänger vorab eine Information erhalten, auf die sie reagieren können. In dieser Zukunft wird es somit möglich sein, künftige Verkehrsbewegungen mittels solcherart animierter grafischer Oberflächen zu erkennen. Städte sollten gebaut werden, um den Bedürfnissen und dem Lebensstil der Menschen zu entsprechen, die in ihnen leben. Das Einbringen von Information, Energie und Licht in die Oberfläche der Stadt wird es dieser ermöglichen, sich an die Veränderungen des urbanen Lebens in Echtzeit anzupassen. In dieser mit einer neuen Oberfläche versehenen Stadt ist es möglich, die Straßen von Bordsteinen und anderen materiellen Barrieren zu befreien, um die größtmögliche Flexibilität hinsichtlich der öffentlichen Benutzung zu ermöglichen. Die neue digitale Schicht der Stadt ist in der Lage, sich an die Ökologie der Verkehrsbewegung auf ihr anzupassen, indem sie das perfekte Durcheinander der einzelnen Verkehrsarten organisiert und aufeinander abstimmt. Innerhalb eines einzigen Tages könnte die Funktion der Straße somit mehrfach zwischen reinen Fußgänger-, Fahrzeugs- oder sogar auch Erholungsfunktionen wechseln. Diese neuartige Plastizität wird die statische, betonierte Stadt durch eine zukünftige Stadt ersetzen, die sich dynamisch verwandelt und sich an das Leben zwischen den Gebäuden anpasst. |

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